Eigentlich könnte sich die Stadt Treffurt zurücklehnen und abwarten, wie sich die Gemeinden in der neuen Gebietsreform finden, denn Innenminister Holger Poppenhäger hat beim Treffen jüngst in Creuzburg der Stadt  als Grundzentrum Bestandsschutz zugesichert. Doch Bürgermeister Michael Reinz (parteilos) möchte nicht untätig bleiben.  Mit einem Grundsatzbeschluss ermächtigte  nun der Treffurter Stadtrat den  Bürgermeister, Gespräche mit benachbarten Gemeinden zur freiwilligen Gebietsänderung zu führen.

Dabei geht es um Kommunen, deren Grenzen bis an Treffurt heranführen. In Treffurt sieht man in  größeren und zukunftsfähigeren Gebietskörperschaftgen eine Chance, künftige Aufgaben besser zu bewältigen.

Bürgermeister Reinz und Beigeordneter Günter Oßwald (BfB) hatten an der Beratung und dem Meinungsaustausch in Creuzburg teilgenommen. Auch bei der Vorstellung des Leitbildes im November in Meiningen waren Treffurter Vertreter dabei. Bis 2017 kann  eine Freiwilligkeitsphase wahrgenommen werden. Und diese möchte Treffurt nutzen. „Natürlich könnten wir abwarten, wie sich alles entwickelt und sehen, welche Kommune uns eventuell zugeordnet wird. Aber  uns ist es lieber, dass wir uns selbst finden und das Zusammenkommen zum Wohle aller einvernehmlich regeln können“, erläutert Michael Reinz sein Ansinnen.  Nach dem  Landesentwicklungsplan bleibt Treffurt bis ins Jahr  2025 als Grundzentrum mit 5200 Einwohner ausgewiesen. „Entweder das Ministerium erteilt eine Ausnahmegenehmigung wegen der  geforderten 6000 Einwohner, oder wir bekommen eine Gemeinde zugeordnet“, stellt Bürgermeister Reinz fest und verweist auf folgenden Umstand: „Wer in der Freiwilligkeit nicht zusammenkommt, der bekommt keine Unterstützung. Da reicht nicht nur das Ergebnis. Und wenn wir uns jetzt finden, dann kann man auf Augenhöhe die Dinge regeln.“

Reinz sieht mit dem neuerlichen Stadtratsbeschluss, die Hand als ausgetreckt und dokumentiert, dass man mit dem Vorgehen Transparenz zeigen will.   Auch darum wurde in der Sitzung beschlossen, dass regelmäßig sowohl der  Ältestenrat als auch der Stadtrat und der Hauptausschuss über etwaige Gespräche zu informieren sei.

Beigeordneter Günter Oßwald bezeichnet die Gebietsreform als wichtig und einen Weg, die Steuern nicht stetig anheben zu müssen und die Verwaltungskosten im Rahmen zu halten. 

Gabriele Kalb (CDU) mahnt an, dass es bei der Reform um weitreichende Schritte für die Zukunft der Bürger geht. Darum sei eine umfassende Diskussion geboten. „Wir müssen überlegen, wo soll das alles hin. Oder wo soll der Amtssitz dann sein.“

Auch andernorts wird um Lösungen gerungen. Karola Hunstock, Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal, will die VG noch nicht  umgewandelt wissen. Beim Treffe mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke – unsere Zeitung berichtete), verwies sie auf die hohe Effektivität der VG-Verwaltung jetzt schon. Und darauf, dass die Einwohnerzahl bereits mit knapp 11000 Bürgern erreicht sei. 

Die VG-Vorsitzende: „Dass effiziente Strukturen in Thüringen notwendig sind, das haben wir erkannt und zwei Verwaltungsgemeinschaften zusammengelegt. Und ich vertrete die Meinung, man kann eine VG genauso effizient führen wie eine Einheitsgemeinde. Jetzt sagt man, es gibt nur noch Einheits- oder Landgemeinden. Das nehmen wir hin. Aber wir wollen solch eine Einheitsgemeinde im Bestand der jetzigen VG gründen.“ Karola Hunstock empfindet es als unfair, dass von einer „Postenschacherei bei den ehrenamtlichen Bürgermeistern“ gesprochen wird. Das sei ein Sieben-Tage-Job. Und die VG-Vorsitzende verweist darauf, dass einige Gemeinden aus der VG Reichensteuer zahlen, also nicht bedürftig sind. Mit Blick auf eine etwaige Rückkreisung von Eisenach in den Landkreis würde sich einiges von selbst klären für die Stadt. Warum also solle Krauthausen dann nicht weiter zur Einheitsgemeinde gehören?

Bodo Ramelow findet, dass Vorwürfe der Postenschacherei eine Bösartigkeit sind. Und zu den Verwaltungsgemeinschaften meinte er, dass diese nicht aufgelöst, sondern zu Einheits- oder Landgemeinden weiterentwickelt werden.

Am Bestand der jetzigen Verwaltungsgemeinschaft wollen die Bürgermeister der VG Hainich-Werratal festhalten. Marcus Fischer aus Nazza sieht darin einen klaren Auftrag seiner Wähler. Zumindest die Einheitsgemeinde mit den jetzigen 11 Kommunen müsse möglich sein. Daran will man festhalten und nicht Gespräche mit anderen Kommunen suchen.

Treffurts Bürgermeister Michael Reinz will jetzt auch keinen Druck auf  Gemeinden ausüben. „Die Nachbarn müssen selbst erkennen, dass der Zusammenschluss mit der finanziell gut geordneten Stadtverwaltung Treffurt für sie von Vorteil ist. Viele Projekte ließen sich gemeinsam stemmen. Wir in Treffurt haben eine effiziente Stadtverwaltung und einen gut geordneten Haushalt. Treffurt ist de facto schuldenfrei.“

Nachricht gab es nun auch aus Wendehausen (Landgemeinde Südeichsfeld). Dort gab es Bestrebungen, den Zusammenschluss mit Treffurt zu suchen. Wie nun zu erfahren war, ist man von diesem Ansinnen in Wendehausen abgerückt.