| Virtueller Stadtrundgang durch Treffurt |
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Unseren Startrundgang beginnen wir auf dem Marktplatz. Vor uns liegt das Rathaus, eines der schönsten Renaissance-Fachwerk-Rathäuser der Region. Erbaut wurde es um 1550 auf älteren Fundamenten. Die Treppenanlage wurde 1609 und der Turm 1616 erbaut. Erstaunlich ist, wie die Baumeister früher mit der Statik umgegangen sind. Immerhin ruht etwa das halbe Turmgewicht auf lediglich acht Eichenstempeln. Die oberste Etage des Turmes war früher offen, hier hatte der Türmer sein Domizil, sagte die Uhrzeit an und hielt nach Feuer Ausschau. Die Turmuhr stammt aus dem Jahr 1899 und versieht noch heute ohne Probleme ihren Dienst. Die Ecksäulen des Turmes zeigen links St. Michael und rechts St.Georg.Unter dem Turm befindet sich heute der Eingang zum "Ratskeller".Der Turm des Rathauses war bis 1990 verschiefert und das Gebäude war bis in die 1960er Jahre verputzt. 1990 wurde das Rathaus saniert, das schöne Fachwerk des Turmes freigelegt und nun erstrahlt das Rathaus wieder in altem Glanz.
An der Ostseite des Marktplatzes befindet sich des ehemalige Gebäude der Treffurter Feuerwehr. Es wurde in den 1920er-Jahren gebaut. Im Erdgeschoss befanden sich die Räume für die Technik und in den oberen Etagen hatten die Feuerwehrleute ihre Wohnungen. Für die heutige Fahrzeugtechnik war das Gebäude aber zu klein und deshalb befindet sich die Feuerwehr heute am Stadtrand von Treffurt. Die Wartburg-Sparkasse hat das Haus unter denkmal flegerischen Gesichtspunkten sehr schön saniert und dort eine Filiale eingerichtet.
Vom Marktplatz geht es in nördliche Richtung die Rathausstraße hinauf zum "Ohrfeigenhaus". Dieses Haus wurde 1608 vom Hessischen Amtmann Bley erbaut. Seinen Namen hat es von folgender Begebenheit: Der Amtmann Bley hatte bei seinem fürstlichen Vorgesetzten angefragt, ob er sich im städtischen Wald ein paar Bäume zum Bau eines bescheidenen Häuschens schlagen dürfe. Er bekam die Genehmigung, baute aber ein großes Haus. Als sein Vorgesetzter zu Besuch nach Treffurt kam und den Protzbau sah, soll er dem Amtmann wegen seiner Lüge eine schallende Ohrfeige verpasst haben. ![]()
Weiter geht es bergauf zur "Grafschaft", einem weiteren dominanten Fachwerkgebäude der Innenstadt aus dem 16. Jahrhundert. Seinen Namen hat es von einer Frau Graf, die hier eine Badestube betrieb. Bei den Treffurtern ist das Haus als Luftschutzschule bekannt, weil diese im 3. Reich dort untergebracht war. Nun biegen wir nach links in die Margarethenstraße ein und gehen an der Badestube vorbei bergab zum Bürgerhaus.
Das Bürgerhaus wurde 1888 als Zigarrenfabrik "Bruns" eingeweiht. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Fabrik wie viele andere enteignet und war in der Folge das Werk II der Zigarrenfabrik Treffurt. Bis 1992 wurden hier Zigarren produziert. Später wurde das Gebäude von der Stadt gekauft und zu einem Bürgerhaus ausgebaut
Vom Bürgerhaus läuft man weiter in westliche Richtung zum Trott`schen Hof. Dieser mittelalterliche Burgsitz wurde von der Familie von Trott mit einer Genehmigung von 1689 als Teil der Stadtbefestigung erbaut. Man hatte das Recht, auf die Stadtmauer zu bauen, was aber gleichzeitig die Pflicht nach sich zog, bei einem Angriff diesen Teil der Stadtbefestigung mit eigenen Leuten zu verteidigen. Heute ist im Trott`schen Hof ein Teil der Kindertagesstätte untergebracht.
Nun geht es nach rechts steil den Burgstieg hinauf. Hier steht noch der größte Teil der gut erhaltenen Stadtmauer. Nach 50 Meter erreichen wir das Heimatmuseum. Das Gebäude gehörte zum Anwesen des Trott`schen Hofes. Zu DDR-Zeiten waren in der unteren Etage Räume der Schule untergebracht und im oberen Geschoss befand sich seit 1982 das Heimatmuseum. Mit dem Schulerweiterungsbau nach der Wende stand das gesamte Gebäude für das Museum zur Verfügung, musste aber wegen des desolaten baulichen Zustandes umfassend saniert werden. Seit 2003 ist die Ausstellung vergrößert in den neu hergerichteten Räumen untergebracht.
Den Burgstieg hinauf weiter laufend erreicht man den Sächsischen Amthof. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Burg Normannstein. Die romanische Burganlage wurde im 11. Jahrhundert zum Schutz der drei Furten, die auch der Stadt ihren Namen gaben, durch die Treffurter Ritter erbaut. Auf engem Raum stehen drei Türme, die Wohn- und Verteidigungszwecken dienten, sowie der Knappen- und Torbau. Um Platz zu schaffen und die Verteidigungsanlage zu erweitern, wurde eine Vorburg errichtet, die im Süden durch eine Ringmauer und im Norden durch einen Halsgraben geschützt wurde. Die Treffurter Ritter waren ein angesehenes Rittergeschlecht und standen auch in den Dienste des Thüringer Landgrafen. Im 14. Jahrhundert wurden sie immer mächtiger und führten auch mit ihren Spangenberger Vettern kleiner Raubzüge. Dies war den angrenzenden Länder ein Dorn im Auge und so wurden die Treffurter Ritter durch die vereinten Heere von Mainz, Hessen und Thüringen 1336 endgültig vertrieben. Die Siegermächte teilten Treffurt unter sich auf und regierten die Stadt von der Burg aus.
Im 16. Jahrhundert wurden unterhalb der Burg Höfe für die Amtleute gebaut, so dass die Burg nicht mehr benötigt wurde. Lediglich der runde Turm wurde noch einige Zeit als Gefängnis benutzt. In der Folge verfiel die Burg und erst als 1896 der Rittergutsbesitzer Döring den Normannstein erwarb und zur Gaststätte ausbaute, kehrte wieder Leben ein. Zu DDR-Zeiten befand sich auf der Burg der Jugendclub und seit der Wende wurde mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen die Burg der Nachwelt erhalten.
Nach diesem Ausflug zur Burg wenden wir uns dem vor uns liegenden Sächsischen Amthof zu. Auch dieser war Teil der Stadtbefestigung und an der Nordseite befindet sich noch der einzig erhaltene Wehrturm. Der Sächsische Hof ist heute das katholische Pfarramt und östlich des Gebäudes wurde 1863 bis 1867 die katholische Kirche errichtet. Ursprünglich besaß sie zwei schöne Eingangsportale und -türen, die aber leider einem Erweiterungsbau weichen mussten.
Wir gehen nun weiter nach Osten und erreichen die Normannsteinquelle. Hier liegen die Wurzeln der Stadt, denn wo es Wasser gab, wurde auch gesiedelt. Die Quelle liefert Wasser in guter Qualität und Menge. Wenn nicht gerade eine Trockenperiode herrscht, schüttet die Quelle rund 2 Millionen Liter Wasser am Tag. Damit die Oberstadt genügend Wasserdruck hat, wird ein Teil des Wassers in einen Hochbehälter unterhalb der Burg gepumpt.
Jetzt geht der Rundgang die Torstraße weiter am Hessischen Amthof vorbei zum Mainzer Amthof mit Mainzer Hoftor. Wir stehen hier am Ende der Bergstraße, der steilsten Straße von Treffurt. Nachdem Treffurt 1815 zum Kreis Mühlhausen kam, diente der Mainzer Hof ab 1816 dem Mühlhäuser Landrat Carl Columbus von Hagen als Dienstsitz. Er hielt zwar auch in Mühlhausen Sprechstunden ab, war aber die überwiegende Zeit in Treffurt und hat sich um die Stadt sehr verdient gemacht. Unser Weg führt jetzt nach Westen die steile Torstraße hinab. Nach einigen Metern erreichen wir den Falkenstein, das alte und neue Pfarrhaus. Der Falkenstein ist ein schöner Fachwerkbau aus dem Jahr 1618, der einige Zeit auch als Gefängnis genutzt wurde. Erkennbar ist dies heute noch an den vergitterten Fenstern im Kellerbereich. Östlich vom Falkenstein befindet sich das alte Pfarrhaus von 1566, das bis zum Neubau des auf der gegenüberliegenden Seite im Jahr 1750 erbauten jetzigen Pfarrhauses genutzt wurde.
Südlich des neuen Pfarrhauses steht die Treffurter Pfarrkirche. Der Bau der Kirche ist in den Beginn des 13. Jahrhunderts einzuordnen. 1341 wurde das Kirchenschiff in westliche Richtung verlängert und ein Turm mit Fachwerkaufsatz und gewalmten Dach aufgesetzt. Eine große Restaurierung veränderte die Kirche in der Mitte des 19. Jahrhunderts und versetzte diese in die heutigen Form. Im Inneren der Kirche sind besonders der dreiflüglige Schnitzalter von 1450, das Barockkreuz von 1610, die Kanzel und die Metallbilder aus Grenzzaun interessant.
Nun geht der Weg in östliche Richtung zur Kirchstraße, die wir bergab bis zur Rosmariengasse gehen. Wir steigen die Treppe hoch in die schmalste Gasse von Treffurt und gehen weiter bis zur Bergstraße, die bergab gegangen wird bis zur Villa Polack, einem gelben Haus in italienischem Stil. Der Schulrat Friedrich Polack hat sich große Verdienste in der Reformierung des Schulwesens erworben. Er erarbeitete neue Schulbücher und hatte bis zu seinem Ruhestand die Schulaufsicht des Kreises Worbis inne.
Weiter geht es die Bergstraße bergab bis zur Hessischen Straße. Das besondere an dieser Straße sind die vielen Toreinfahrten der Häuser. Sie zeigen den Broterwerb unserer Vorfahren, die Landwirtschaft. Der Weg führt uns kurz 50 Meter nach links zum Pranger am Burscheltor. Der heutige Pranger ist eine Nachbildung, er zeigt aber, dass die Bestrafung, am Pranger stehen zu müssen, immer dort geschah, wo viele Menschen vorbei kamen. Unser Weg führt nun zurück in westliche Richtung am drittältesten Wohnhaus (Rink`s Haus) vorbei zur Kirchstraße. Besonders schön an diesem Haus sind die Fächerrosetten im Giebel.
In der Kirchstraße erreichen wir das letzte Ziel des Stadtrundgangs, das älteste Haus von Treffurt aus dem Jahr 1546. Diese schöne Fachwerkhaus war wahrscheinlich früher eine Schankwirtschaft. Heute beherbergt es eine Pension mit kleiner Gastwirtschaft. Von hier sind es dann nur noch 50 Meter bis zu unserem Ausgangspunkt auf dem Marktplatz. |